Patrilineare Namensfolge, Namenskunde

Alles fließt...

Bis Mitte des 14.Jahrhundert ist die Bildung von Familiennamen unter der Landbevölkerung noch völlig fließend. Zur Namensentstehung wird oft der Vorname herangezogen, Eigenschaften, Beruf, Herkunft,      Wohnstätte, Wohnort etc. herangezogen.

Einführung von Familiennamen

Im 15.Jahrhundert wurde ein Familienname zum Pflichtnamen. Man bediente sich des patrilinearen Namens. Frauen und Kinder sollten stets den Namen des Ehemannes, des Vaters, tragen.  Aus steuerrechtlichen (abgaberechtlichen) Gründen durchbrach die damalige Obrigkeit den Grundsatz der patrilinearen Namensgebung und führte für bestimmte Fälle die Ergänzung 'Doppelnamen' ein. Von 1700   an galt die geänderte Namensregel: Bei Einheirat in eine Hausstelle führte der Mann neben seinen patrilinearen Namen auch den Namen des Kolonaten*. Der Hof- oder Hausstellenname wurde mit: vulgo; modo; dictu;   oder; alias angefügt. Es wird noch komplizierter.   Einheirat in ein Kolonat führt ab Ende des  15. Jahrhunderts dazu, daß der ererbte Familienname abgelegt wird und es zur Übername des Kolonatsnamen kam.

Unter falschen Namen

Die Namensschreibweise Schnare im 17. Jahrhundert variiert stark. Die Schreibweise 'Schnaar' oder 'Schnar'   findet sich häufig. Somit kann man sich vorstellen, daß Menschen, die diesen Namen heute noch tragen, zur weit erntfernten Verwandschaft der Familie Schnare zugehörig gezählt werden können. Das betrifft besonders die Menschen, die nach Nordamerika (USA und Kanada) ausgewandert sind. Im englischen  Sprachraum veränderte sich im Laufe der Zeit der Name, er wurde in 'Schner' umgeschrieben,   nicht: Scnar (!).  In Lippe kam es im Jahr 1720 zur Festschreibung der historischen Namen für eine Hausstelle/Hofstelle als amtlich bekannte Hausstelle in den einzelnen Vogtein  (siehe: Seite 'A';  Beitrag der Tageszeitung Lippische Landes Zeitung,' Viele Silixer leben unter falschen Namen').

Ende des Leib- und Gutseigentum

1809 erging in Lippe das Gesetz, das endgültig die 'Leibeigenschaft/Gutseigenschaft' beendete. Seit dieser Zeit wird der Name Schnare unverändert geschrieben. Die lippische Konsistorialverordnung vom 08.07.1839 legt nun fest, daß Männer, die in ein Kolonat einheiraten, den ererbten Namen ablegen und den Kolonatsnamen anzunehmen haben. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren zwei Namen im amtlichen-, auch kirchlichen Schriftverkehr üblich und im Gebrauch, der individuelle Name, verbunden mit den historischen Namen.

Besonderheit: Namensübernahme

1875 nehmen zwei Familien in Lippe (lippischer Norden) den Familienname Schnare an. Der Grund dafür scheint nicht mehr klar ermittelbar zu sein.  Familie Böger, auf dem ehemaligen Großkötterhof Böger ansässig, legen den Namen Böger ab und nennen sich fortan Schnare bzw. Homeier. Wobei Homeier ab 1875 den alleinigen Familienname Schnare führt.

Änderung 1933

Friedrich(Fritz) Wilhelm Heinrich Schnare mußte  historischen Zweitnamen ablegen und sich für nur einen Nachnamen entscheiden, für Schnare (wegen Eintritt in den öffentlichen Dienst, Zivilpersonal bei der Wehrverwaltung, hier: Forderung zur Erbringung eines Ahnenpaß/Arierpaß).

*Colon = römisches Ursprungswort; Kolonus = Ackerbauer/Landwirt; Colon/Meier = zusammenstehende Begriffe, vermischte Einsetzung.

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last update: 23.03.2001
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