Geschichten und Bilder aus dem Archiv
Schnare in Lippe
... zunächst wenige Bilder aus dem Archiv. Die Geschichten zu und ueber den
Familienverbund folgen zum Schluß ...
Weekend-Trip 1920. Wohin soll's gehen, Herr Schnare ? Friedrich Wilhelm Anton, mein Großvater hat wahrscheinlich persönlich 'angespannt', um sich eine Fahrt mit der Kutsche in's Grüne zu gönnen. Die Dame neben ihm..., Tochter ? Seine Frau ist es nicht. Die Dame ist für die damalige Zeit sehr jugendlich gekleidet. Man bemerke, bloße Oberarme ..., ganz schön mode-mutig !
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BruderFriederich Karlmit seiner FrauMilitädienstzeit WK I |
Der jüngsteBruder Friederich Simon MilitärdienstzeitWK Igefallen |
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Überlieferungen Familie Schnare
Wat de Frubbensminsken jümmer sick üm ühre Strümpe hät ! / Goht seu iut un laupt herümmer, / kuikt seu, of de Strump auk lätt.
Strümpe hen un Strümpe her, / est nich juste Winderweer, / sejj eck: Lot't de Strümpe iut, / beste Strump es juwwe Hiut !
Do löppt juw nenne Maschen dal, un wenner juw 'n Ratsk inkümmt, / est gluikevell un pottejal, / nenn Finger werd ümt Stoppen krümmt.
de Hiut, de wäßt van sülben no, / un Baß werd metter Tuit auk toh. / Seo barske Beune, dat gefällt, / un nau doteo: Et kost'T nenn Geld !
erschienen: Schriftenreihe Heimatland Lippe, 1960 (?)
'Der schnare'sche Rebell'
Johann Friedrich Schnare zeichnete sich in seinen Lebzeiten durch ein äußerst unruhiges und unbändiges Naturell aus. Er wurde am 25. Januar 1700 in Rinteln/Oberweser geboren. Er starb am 28. März 1756. In seinen 56 Lebensjahren erregte er in seiner Welt so viel Aufsehen, daß man noch 300 Jahre später sich an seine Person erinnert. Die Lippische Landeszeitung (Nr. 196/1999) erwähnte ihn als Rebell, bezeichnet ihn sogar als Hauptrebell gegen die Obrigkeit. Erwähnung findet er auch im Heimatbuch von Silixen. J.F.Schnare wird auch in den Annalen von Schaumburg-Lippe in einem Brief erwähnt, der aus dem Amt Burg Sternberg stammte. Er scheint bei den Rittern von Kallendorp, die in Varenholz ansässig waren und die Hoheit über Silixen ausübten, nicht gerade beliebt gewesen zu sein ... Sein aufregendes Leben endete nomal, er starb wahrscheinlich im Bett, nicht in Gefangenschaft, nicht in einem Scharmützel. Er scheint also auch klug genug gewesen zu sein.
Historische Quellen berichten: Anna Elisabeth Riepe war seine Magd, er verführte und heiratete sie. Mit Wilhelmine Wolter aus Engern trieb er Unzucht, sie verdingte sich ebenfalls als Magd bei ihm. J.F. Schnare trachtet Herman Bethge aus Engern/Steinbergen (?) nach dem Leben, der als Knecht bei ihm arbeitete, ihm ein Ackerpferd stahl und damit in hessische Kriegsdienste trat.
Rebell Schnare lebte gefährlich. Der Sitte und Moral, Ehe und Religion wurde damals eine ungleich höhere Bedeutung beigemessen als heutzutage. Derartige Verstöße wurden hart bestraft. Man wurde bei Wasser und Brot 'gefänglich eingezogen, drei Monate, keine Seltenheit, dazu gab's noch Rutenhiebe... Ehebrecher wurden sogar des Landes verwiesen, zumindestens die Frauen.
Helmut F. Schnare
Gaunerzinken & Gaunerschreck
Im Volksmund heißen die Geheimzeichen der Hausierer, der fliegenden Händler, der Wanderburschen, der Bettler, des fahrenden Volkes, auch der Diebe und Gauner: 'Zinken', also Gaunerzinken. Und was hat das mit der Familie Schnare zu tun ? Gab es Gauner im Familienverbund ? Hoffen wir es nicht. Der Bezug zur Geschichte der Familie Schnare wird nach den folgenden Betrachtungspunkte wieder hergestellt. Zunächst zur Bedeutung der Zeichen der Gauner, ihrer Geheimbotschaften. Die Zeichen oder Zinken kamen in Mode in der Zeit der großen Not. Kriegszeiten, gleich Notzeiten. Seit dem Dreißigjährigen Krieg findet man die Zinken(Zeichen) an den Wänden, Mauern, Türpfosten, Zaunpfählen, die Bettler und Hausierer hinterließen, auch Diebe und Gauner, um sich zu verständigen. damals zeigten die Gaunerzinken den Obdachlosen ein Nachtlager an, auch: hier gibt's was zu essen. Die Zinkensprache umfaßt bestimmt hunderte von Zeichen, die Wahrsagern von den Ereignissen im Hause erfuhren ließen, die Einbrecher auf lohnende Beute hinwiesen. Undefinierbare Zeichen, nicht selten in Holz geschnitzt, man hatte ja Zeit genug zur Verfügung. Gibt es noch heute Hinweise auf die Gaunersprache ? Schwer zu beantworten. Einbrecher und Diebe nutzen heute vielmehr die Gunst der Stunde. Von der Polizei aus Mönchengladbach wissen wir, daß in den 70er Jahren die 'Zinken' noch bekannt waren.
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Der Polizeigehilfe früherer Zeiten bezeichnete sich mit Flurschütz, Fleckenschütz, Waldschütz, Feldhirte, Schütter. Sie waren des Baunerrichters Gehilfen, wurden gewählt und genossen ein großes Ansehen. Historische Quellen belegen mindestens zwei Männer der Schnare's im Dienste der Bauerngerichte. Aus Silixen ist Karl Henrich Schnare oder Schafmeister* (Waldschütz) bekannt. Ein anderer Schnare ist historisch erhalten geblieben als Flurschütz Colon Schnare, der Gaunerschreck. Leider berichtet die historische Quelle nicht von den Vornamen und die örtlichen Herkunft dieses Schnare's. Nur dieses: "Colon** Schnare und einjähriger*** Flurschütz erkennt die Vielzahl der Zinken ... 1828 erhielt er aus Anzeigen gegen Thäter 4 Tler(Taler) 12 Gr (Groschen) im anvertrauten Districte ..." (entnommen: Rundbrief an Bauernrichter Vogtei Detmold zur Flurschützenverordnung 1817, geändert 1831; Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde).
* Vorfahren: Johann Friedrich Schnare od. Schafmeister; Anton Konrad Schnare od. Schafmeister; Herman Henrich Schnare; Friedrich Schnare. ** Siedler und Haus-/Landbesitzer(freier Bauer). *** Kündigungszeit oder Wahlzeit des Flurschützen. Oft nur vierteljährlich bestellt/wiederbestellt.
Flurschütz 'Colon' Schnare scheint nicht nur ein Kenner der 'Zinken' gewesen zu sein, er hatte auch eine Möglichkeit der Veröffentlichung seiner besonderen Kenntnisse gefunden. Eine beachtliche Leistung in der damaligen Zeit.
Das Lied von Lippe-Detmold war einst in den deutschen Landen recht gut bekannt. Zu den Leuten, die das Lied vom Lippischen Schützen kannten, die mit dem Lied Heimatgefühle verbanden, zu diesen Menschen gehörten W. Schnare und Cousin Schnare. Leider sind die Vornamen und die korrekte Eingliederung in die Verwandschaft der Familie Schnare nicht mehr vorhanden. Was an dieser Stelle wiedergegeben ist, stammt aus den Relikten der Fotosammlung von Fritz Schnare, Detmold, von den interpretierten Bildhinterschriften. Vielleicht gibt es noch ein Familienmitglied, das mit Informationen dienlich sein kann. Die nachfolgende Schilderung muß als eine Besonderheit der damaligen Zeit angesehen werden.
Reichsarbeitsdienst 1940: in Deutschland gab es zur damaligen Zeit 39 'Arbeitsgaue', streng landsmannschaftlich zugeordnet. Daraus folgernd kann man feststellen, daß die beiden Schnare-Familienangehörigen niemals in Heppenheim hätten sein dürfen.Sie hätten sich eigentlich im Gau Westfalen aufhalten müssen.
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Und nun zu den Akteuren im Zeichen des Lippischen Schützens: Bild- A- (linkes Bild) zeigt W. Schnare (links) als Vormann im Reichsarbeitsdienst, Sommer 1939, RAD-Lager J 252 Heppenheim/Wiese beim Üben zur Wachablösung. Bild -B- zeigt etwas mehr von W.Schnare ( Vorname ? Werner, Wilfried, Wolfgang ? ).
![]() "Cousin" Schnare, |
![]() Der Lippische Schütze. |
Sein Cousin (Schnare) Bild-C-, Vorname leider unbekannt, meldete sich ebenfalls zum Arbeitsdienst in das Lager Heppenheim, in dem es nicht nur die beiden aus der Familie Schnare gab, sondern auch andere Lipper sich versammelt hatten. Das Besondere an dem Geschichtchen ist, daß man fleißig den Lippischen Schützen besang (Lippe-Detmold-Lied), daß man später sogar die 'lippische Staatszugehörigkeit' mit der Darstellung eines plakativ an die Wand gemalten Lippischen Schützen (Bild-D-) herausstellte.Hier noch ein Hinweis zur Gesetzeslage 1939: 'Arbeitsdienstpflichtig sind (seit 1936) alle jungen Deutschen beiderlei Geschlechts zwischen 18 und 25 Jahren. Die Dienstzeit beträgt ein halbes Jahr'.
Der Dienst wurde in Arbeitslagern abgeleistet. Für die Lipper war der Gau Westfalen-Nord (Leitung in Münster) zuständig. Es war schon eine Besonderheit, daß es 'Lipper' nach Heppenheim verschlug, auch, wenn sie im 'Arbeitsdienst' mit Führungsaufgaben betraut waren. Heute, in unserem reizüberfluteten Dasein, so viele Jahrzehnte nach dem Ereignis, belächelt man milde und nachsichtig so ein Geschichtchen. Nur, damals ...
Das 'Lippe-Detmold-Lied' wurde in der Zeit um 1940 noch in einer Textfassung gesungen, die man im Jahr 2001 nicht mehr kennt, sofern das Lied überhaupt noch bekannt ist. Franz Hannemann aus Detmold-Pivitsheide konnte mit der Textversion (alt) aushelfen. Es ist anzunehmen, daß W. Schnare mit "Cousin " Schnare die alte Textform des Liedes (mit sechs Strophen) kannten, sangen und bestimmt andere arbeitsdienstpflichtige Kameraden im Heppenheimer-Lager mit dem 'Lipper-Lied ' vertraut machten.
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Jörg Liedtke aus Lage / Lippe (nahe Detmold) besuchte diese Homepage und machte zum Lied Lippe-Detmold diese Anmerkung: Der Komponist des Volksliedes ist unbekannt. Entstanden ist es im frühen 19.Jahrhundert im Zusammenhang mit der Schlacht bei Preuss.-Eylau (1807). Zunächst durchaus nicht auf Lippe bezogen, es wurde von ca. 25 Orten lokal in Anspruch genommen, ist jedoch seit etwa 1880 als Studenten-, Wandervogel- und Soldatenlied nur noch (!) mit Lippe-Detmold verbunden.
Die Baedeker-Ausgabe über Detmold (1974) befaßt sich ebenfalls mit dem Lippe-Detmold- Lied.
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Die Urform des Liedes von den lippischen Schützen ist verschollen. Der volkstümliche Text unterlag in den letzten 100 Jahren einer beständigen Veränderung. Es gibt bei Badeker einen Hinweis, daß als Erstverfasser der Dichter und bedeutende politische Publizist (Satiriker) der 'Vormärz-Zeit' Georg Weerth (*Detmold 1822, gest.Havanna 1856) gilt. Weerth hat zusammen mit Marx und Engels wesentlich zur Vorbereitung der Revolution 1848 beigetragen. W. war der Sohn des Detmolder Generalsuperintendenten Ferdinand Weerth.
| Homepage last update:23.03.2001 |
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